
ist das Stück „EinS“ von Canan Erek das obendrein in einer der größten Vorstadtkirchen Berlins aufgeführt wird und das Thema Spiritualität behandelt. Die unter Denkmalschutz stehende Elisabeth Kirche zählt zu Schinkels repräsentativsten Bauwerken Berlins und wird seit ihrer Zerstörung durch eine Phosphorbombe im Jahr 1945 als Ort für Veranstaltungen und Ausstellungen genutzt. Das klassizistische Gotteshaus ist licht durchflutet und verstärkt das heilige Fluidum der drei ganz in weiß gehaltenen Tänzerinnen. Der göttliche Atem spielt in Canan Ereks Stück eine zentrale Rolle. Die vier überirdisch wirkenden Musiker/Innen zeichnen sich vor allem durch bemerkenswerte Lautlosigkeit aus. Sowohl beim Auseinandernehmen ihrer Instrumente bei denen es sich ausnahmslos um Blasinstrumente handelt verhalten sich die Geräuschemacher durchweg unhörbar und selbst beim Spielen wird der dumpfe stockende Ton nicht durch Hineinblasen erzeugt sondern durch kräftiges Inhalieren. Das Zurückhalten von Melodien und Wohlklängen jeglicher Form erzeugt einen erstickten Rhythmus der zusammen mit den wiederkehrenden Bewegungsmustern der drei Tänzerinnen die Wirklichkeit entschleunigt . Sie symbolisieren eine Dreieinigkeit ohne immer einheitlich zu sein. Sie sind miteinander verbunden, obwohl sie ihren eigenen Wirkungsbereich haben. Sie versuchen aneinander vorbei zu kommen. Sie brauchen sich zum stützen zum aufrichten. Sie verschmelzen ineinander oder stoßen sich ab. Sie sind im höheren Sinne miteinander verbundene spirituelle Bewegungen. Eine der eindrucksvollsten Szenen in dem Stück ist die in der die Tänzerin Ayako Nakano von Sally Blatchford anfangs mit großer Zärtlichkeit zum göttlichen Gebet aufgefordert wird. Nachdem Ayakos Körper jede Gebetshaltung eisern verweigert werden Sallys Aufforderungen immer drastischer und kulminieren in höchst unmissverständlichen Grobheiten. Erst als Sally verbittert von der störrischen Ayako ablässt beginnt die Unterdrückte ihr Gebet in ihrer eigenen Gebetshaltung .



